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Winzer-Porträt: Boudier Koeller

Wenn man im kleinen Dörfchen Stetten in der Pfalz auf die Hauptstasse abbiegt, dann blickt man auf die großen, goldenen Letter an einer Natursteinmauer: BOUDIER KOELLER. Dazwischen prangt das λ (griechischer Buchstabe Lambda), welches Eingeweihten verrät, was hinter der Begrenzung wartet. Ich freue mich auf den Besuch im Weingut, denn bisher habe ich die beiden Besitzer Elmar Koeller und Dr. Robert Boudier nur per Email und Telefon kennen gelernt. Vor rund eineinhalb Jahren war ich schonmal hier und habe damals auch von Henry, einem der leitenden Angestellten, eine kleine Führung bekommen und durfte etwas reinschnuppern. Jetzt bin ich umso gespannter noch tiefer in die Geschichte des Weinguts und der beiden Inhaber einzutauchen.

λ – Das Lambda ist der elfte Buchstabe des griechischen Alphabets. Das Symbol steht für libertas (lat. „Freiheit“) und Gleichberechtigung. Es ist das Symbol vieler verschiedener Schwul-Lesbischer-Organisationen und diente lange Zeit als Erkennungszeichen zwischen Gleichgesinnten.

>> Mehr bei Wikipedia über LGBT-Symbole lesen

Sekt im Garten

Beim Betreten des alten Pfarrgartens entdecke ich einige Gäste, die entspannt mit einem Glas Wein in der Hand auf Kissen und Decken inmitten des idyllischen Gartens sitzen. Ein bekanntes Gesicht begrüßt mich – es ist Henry. Ich erkenne ihn sofort wieder mit seiner Fliege und dem Tattoo auf dem Unterarm. Nur der Mundschutz ist diesmal neu. Er reicht mit ein Glas Sekt und heißt mich Willkommen, dass ich eine Verabredung mit Elmar und Robert habe, das weiß er natürlich. Ich wandere ein bisschen durch den Hof und Garten und lasse die historischen Gemäuer auf mich wirken. Alles wirkt hier sehr gemütlich, dennoch top gepflegt und nichts ist dem Zufall überlassen. Mir gefällt es hier und ich sage zu meiner Begleiterin: „Hier sitzen und ein Sektchen nach dem anderen, das geht auf jeden Fall!“

Ich trink ’nen Sekt vielleicht: im idyllischen Pfarrgarten bei Boudier Koeller

Hochzeitsflair wie aus dem Bilderbuch

Ich beobachte neue Ankömmlinge im Hofgarten, alle werden mit Sekt genauso herzlich wie ich begrüßt. Die Paare, die den Hof betreten, sehen alle ziemlich nach „frisch verlobt“ aus, schmunzeln wir. Sicherlich werden sie sich über das Weingut als Hochzeitslocation informieren. Nicht umsonst wird Boudier Koeller als Austragungsort für Hochzeiten und Trauungen mittlerweile national gelobt und gepriesen! Die altehrwürdigen Gemäuer, der mediterrane Flair und die Gärten bieten eine unvergleichbare Stimmung. Die verschiedenen Räumlichkeiten, die hochkarätige Küche und nicht zuletzt die eigenen Weine komplettieren die Hochzeitswunschliste. „Ja, ich will“ sage ich aber heute nur, wenn mir nachgeschenkt wird!

Verkostung an goldener Theke

Aus diversen Fachzeitschriften kannte ich die beiden Weingutsinhaber schon von Fotos, daher war es nicht schwer Dr. Robert Boudier u.a. an seinem Schnäuzer zu erkennen. Sein gemütlicher Gang verrät uns, der Arzt ist nicht im Dienst, sondern hat Wochenende. Er schlendert relaxed zu uns herüber, begrüßt uns herzlich und lädt uns erstmal auf einen Corona-Schnelltest aufs Haus ein. Als das negative Testergebnis vorliegt, stößt auch Elmar Koeller zu uns. Elmar trägt auffällig bunte Sneaker, dazu eine seidig-glänzende Bomberjacke lässig über dem schlichten weißen Shirt. Die Haare sind blondiert und folgen keiner 08/15 Frisur – eine schillernde Erscheinung! Die beiden machen als Paar, aber auch individuell einen sehr entspannten und ausgeglichenen Eindruck. Wir stehen mittlerweile im Eingangsbereich des Restaurants, welches sich im Pfarrhaus befindet. Um uns herum ein Arrangement aus extravagantem Pomp (z.B. die goldene Theke in gehämmerter Optik) und historischem, stilvollen Charme (z.B. Gewölbe im Restaurant). Ich bin jetzt schon großer Fan!

Blick_ins_Restaurant_BoudierKoeller
Blick in den Gastraum im Gewölbe: alle Tische stehen in Corona-konformem Abstand.
Goldene Theke, erste Verkostungsweine und „Der Feinschmecker“ mit aktuellem Beitrag zu Boudier Koeller.

Kraftvolle, einzigartige Weine

Robert besorgt nun Gläser, Elmar bringt die ersten Weine. Wir starten bei den 2020er Jahrgängen mit „Mathilde von Tuszien“, danach Sauvignon Gris vom Heiligenhäuschen und einem Sauvignon Blanc. Ich bin vom Fleck weg begeisert. Die gute Mathilde habe ich glatt als großes Burgunder-Cuvée einsortiert und lag damit total daneben. Es handelt sich hier nämlich um einen Müller-Thurgau aus über 50 Jahre alten Reben. In gebrauchten Holzfässern reift Mathilde dann zu ihrer gehaltvollen Form und Größe. Sauvignon Gris, als natürliche Mutation des Sauvignon Blanc, ist nicht unbedingt oft anzutreffen, vor allem nicht in der Pfalz. Die Boudier Koeller’sche Interpretation hätte ich in einer Blindverkostung definitiv auch nicht hier vermutet, sondern eher mit einer Herkunft von der Loire erwartet. Komplexe grüne Aromen paaren sich mit gelben Früchten, intensive Mineralik und Kraft. Aber auch die Schwesterrebsorte Sauvignon Blanc punktet bei mir. Etwas einfacher zu verstehen als die beiden Vorgänger, eher gelbe, reife Früchte und ein klarer, frischer Eindruck.

Mathilde (auch Mathilde von Tuszien; * um 1046; † 24. Juli 1115 in Bondeno) aus der Familie der Herren von Canossa war eine der mächtigsten Adligen in Italien in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Als Markgräfin herrschte sie über weite Gebiete der Toskana und der Lombardei.“ (Quelle: Wikipedia)

>> Mehr bei Wikipedia über Mathilde von Tuszien lesen

Coming Out & Rosa Traktor

Wir tragen unsere Gläser nun wieder raus ins Freie und starten unseren Rundgang durch das alte Klostergut. Auf der anderen Straßenseite liegt das Privathaus der beiden Winzer. Dahinter liegt ein ebenso malerisch angelegter Garten, in mitten dieser Oase warten 2 Stühle. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie die beiden hier mit einer Flasche Wein oder einer Tasse Kaffee sitzen und für sich sind. Elmar verrät, dass es ihre ganz persönliche Tradition geworden ist, jeden Sonntag um 11 Uhr mit einem Glas Champagner im Garten anzustoßen. Hier fahren wir fort mit unserem Tasting und verkosten nacheinander einmal alles, was die Weinkarte so hergibt. Es wird nun deutlich restsüßer. Von Pinot Blanc, gereiftem 2016er Riesling, über „Coming Out“, bis hin zum „Rosa Traktor“ ist alles dabei. Die Bandbreite, die mir Elmar präsentiert ist groß und Weintrinker, die es halbtrocken oder lieblich mögen, kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten.

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Drink Pink: Rosa Traktor im Garten.

Während wir uns hier so vor und zurück probieren, kommen wir ins quatschen und ich erfahre vieles über den Weg der beiden, bevor sie dieses Weingut übernahmen. Elmar teilt auch viele sehr persönliche Geschichten mit mir, die ich natürlich besonders spannend finde. Wer diese nun hier erfahren möchte, dem rate ich einen Besuch im Weingut und dort einen Plausch mit Elmar oder Robert persönlich 😉

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Mit Elmar Koeller unterwegs in den Gärten des Guts.

Blick in die privaten Gemächer

Ich streunere weiter alleine mit Elmar durch die Gärten, denn inzwischen führt Robert wieder neue Gäste und Hochzeitsinteressierte durch das Gehöft. Daher lädt Elmar mich ins Privathaus der beiden ein. Er zeigt uns einen Raum, dessen Wände in 3 Reihen von Porträt-Zeichnungen aus den 20er Jahren behangen sind. Die antiken Möbelstücke wirken, als hätten sie schon immer hier gestanden. In der Flügeltür zum Nachbarzimmer steht ein pompöses Puppentheater mit Stuckverzierung und allem Pipapo. „Für unsere Enkelkinder…“, erklärt Elmar. Ob die Enkelkinder auch so einen erlesenen Geschmack und Stilbewusstsein haben? Ich bin mir nicht sicher, aber ich find’s genial!

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Porträts wichtiger Künstler und Politiker aus den 20er Jahren hängen an den Wänden.

Lichtspiele im Hochzeitssaal

Zum Abschluss der Tour führt der stylische Winzer mich durch den großen Hochzeitssaal, der bei meinem ersten Besuch noch nicht fertig gestellt war. Das Beleuchtungskonzept wirkt in dem leeren Saal bereits majestätisch. Ich kann mir gut vorstellen, wie beeindruckend dies erst bei gedeckter Tafel aussehen würde. Ein bisschen kann ich die „I do“-Stimmung hier fühlen. Die Paare, die hier heiraten, dürfen in jedem Fall ein erinnerungswürdiges Fest genießen, alleine schon wegen des Raumkonzepts. „Wir haben nun die erste Hochzeit an einem Dienstag angenommen“, kommentiert Elmar schmunzelnd die Frage, wie die Termin-Nachfrage hier so ist. Das sagt ja irgendwie alles.

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Stylisches Lichtkonzept im Hochzeitssaal des Weinguts.

Ausklang, wo alles began

Wir verlassen das Gelände auf dieser Seite der Straße und sind nun wieder im Pfarrgarten, wo wir heute gestartet sind. Henry hat uns in der Zwischenzeit ein lauschiges Plätzchen hergerichtet und versorgt uns mit Zwischenwasser. Die Gäste des frühen Nachmittags sitzen immer noch. Scheint ihnen ja gut zu gefallen! Mittlerweile werden auch Dinner-Tische eingedeckt auf dem Rasen. Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl. Eigentlich würde ich sehr gerne noch zum Abendessen bleiben („Wollt ihr nicht noch zum Essen bleiben?!“), doch eine Online-Weinprobe am Abend ruft mich an den Schreibtisch. Sehr ungern nur verabschiede ich mich. Dies war nicht mein letzter Besuch! So viel ist klar.

Meine Highlights

Nachhaltig beeindruckt haben mich die trockenen Weine „Mathilde von Tuszien“ (Aha-Effekt!) und definitiv der Sauvignon Gris. Die etwas restsüßeren Weine sind vor allem in Kombination mit Speisen sehr zu empfehlen. Der „Coming Out“ kommt erste Sahne zu einem scharfen indischen Curry raus! Im Laissez-Faire-Style tuckert der „Rosa Traktor“ über den Gaumen: frisch, französisch, frech & fruchtig. Hat mich mit internationaler Stilistik überrascht, nicht wie die oft muffigen, überschwefelten deutschen Rosé Cuvées. Habe ich erwähnt, dass die Jungs auch wirklich einen rosa Traktor fahren?! Aufsehen erregend genial!


Danke

Danke an Robert und Elmar für eure Zeit – danke für diesen unfassbar entschleunigten Nachmittag bei euch! Was habt ihr es schön!!! Ich bin wirklich entzückt und kann es kaum erwarten, weitere Projekte mit euch umzusetzen!


Über das Weingut Boudier Koeller

  • 2007 Kauf des Pfarrhaus in Stetten
  • ab 2010 Grundstein des Weinguts mit eigener Betriebsnummer
  • erster Weinjahrgang 2012
  • Schwerpunkt im Weißweinbereich, Rotweine sollen noch folgen
  • neben dem Weingut wird ein Restaurant betrieben
  • 8 Gästezimmer stehen für Übernachtungen zur Verfügung
  • seit 2014 bewirtschaften sie auch den Schlossgarten in Kirchheimbolanden mit traditionellen Champagner-Rebsorten
  • 2 hochwertige Schaumweine, Riesling Sekt und Chardonnay Sekt
  • Weinberge alle im Zellertal, Nordpfalz gelegen

Lust auf die Weine bekommen?

Der Internetauftritt vom Weingut Boudier Koeller ist derzeit in Überarbeitung. Daher können die Weine aktuell nicht über den eigenen Online-Shop bestellt werden. Habt ihr Lust auf Boudier Koeller im Glas bekommen, dann ruft doch am besten im Weingut an oder meldet euch per Mail:

Telefon: +49 (0) 6355 586

Email: info@boudierkoeller.de


Wenn du noch mehr über die Weine von Boudier Koeller lesen willst, dann schau mal hier in diesen Blog-Beitrag:

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